jenny diski schläge und küsse

Mechanismus der Unterwerfung

Die Frauenbewegung war not amused als 1980 Jenny Diskis Debütroman „Schläge und Küsse“ erschien. Eine unabhängige und emanzipierte Frau unterwirft sich darin einem Mann und durchleidet physische und psychische Abhängigkeit bis zur Depression.

Diski , Zögling der großen Doris Lessing, dekliniert die Abgründe eines intellektuell kaum erträglichen Sadomasochismus ganz bewusst: „Nach 20 Jahren Frauenbewegung konnte sich eine Frau ihres Alters, die sich gleichberechtigt fühlte, nicht gestatten, Vergewaltigungsphantasien zuzugeben und sich dem Machtspiel pervertierter männlicher Sexualität zu unterwerfen.“

Klug verwebt sie das Wechselspiel zwischen geheimen Sehnsüchten und Konventionen zu einem ambivalenten, kontroversen Beitrag zur Debatte der Geschlechterrollen. Disky will nicht voyeuristisch sein oder einen Softporno liefern, sie ergründet den Mechanismus der Unterwerfung auf subtile, in vielem wohl auch autobiographische Weise.

Viel bewegender als die Schilderung der peinigenden Lust aus einem freien Willen heraus ist am Ende die Flucht vor Zwangseinweisung und Bevormundung in der Psychiatrie. Das gebrannte Kind Diski schildert institutionalisierte Gewalt , Vorverurteilung und Bevormundung in staatlichen Institutionen, auch, indem sie klug das Umfeld der Protagonistin Rachel Kee beschreibt.

Diskis Debüt-Roman ist über dreißig Jahre nach seinem Erscheinen noch immer sehr gut und durch einen dramaturgischen Twist steckt er voller Raffinesse.

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