Mohamed_Ibrahim_by_Hamid_Hirmand

Mohamed Ibrahim
Ikonograph aus Leidenschaft

Kunst bezeichnet er als intimes Gespräch mit dem Selbst, anders kann es gar nicht sein bei Mohamed Ibrahim – im ersten Leben Psychiater, im zweiten Maler und Schriftsteller. Die existenziellen Themen seiner Zeichnungen und Gemälde verwahrt er hinter Metaphern und Symbolen, und demzufolge lassen sich die Werke auch ähnlich literarischer Texte “lesen” oder besser dechiffrieren. Die Selbsterkenntnis des Künstlers wird in seinen Bildern zu Welterkenntnis, das subjektive Leid zum Ausdruck menschlichen Leidens. “Wenn du tiefer in dich selbst siehst, dann erkennst du alle Menschen in dir und dich selbst in jedem Menschen.” sagt er.

Mohamed Ibrahims Herzenswärme ist von ansteckendem Strahlen, er ist ein Genießer, nichts tut er beiläufig. Er spricht gern und gestikuliert dabei mit den feinen Händen. Seit 10 Jahren lebt der gebürtige Ägypter aus Kairo in Berlin und gab hier vor vier Jahren seinem Leben die entscheidende Wende: Er wandte sich von der Medizin zur Kunst, zunächst vielleicht als Therapie mochte der eine oder andere glauben, aber er tat es mit der notwendigen Ernsthaftigkeit und Beflissenheit und integrierte den therapeutischen Ursprung einfach in seine Kunsttheorie. So begann, wie er erzählt, sein künstlerischer Start mit einer “Aquarellphase” – das schwierige Aquarell, das nichts verzeiht und vergisst! – in der er lernen musste, Fehler zu akzeptieren. Zurzeit tastet er sich voran in der “Ölphase”, wo Schicht um Schicht langsam aufgebaut wird. Klimt, van Gogh und Matisse sind dabei seine stilistischen Vorbilder.

 

Mohamed beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der menschlichen Anschauung, die unseren Gefühlshintergrund in jeder Sache abgibt. In einem seiner jüngsten Werke “The Sphere” (Aquarell, 2015) stehen drei unscheinbare, identische purpurne Kugeln im Zentrum der Aufmerksamkeit dreier Menschenpaare. Ihre Konzentration auf die Kugeln hat etwas versonnenes und gleichzeitig extrem fixiertes. Das Bild ist in drei Bereiche geteilt, und in jeder Sphere, dem Hintergrund der Paare, dominiert ein bestimmtes Ornament. Anscheinend ist es immer diesselbe Welt, die da betrachtet wird, aber der Weltanschauungshintergrund dennoch verschieden, wenn auch ähnlich. Die Ornamente der verschiedenen Weltinterpretationen, die einander nicht ausschließen, sich sogar an vielen Stellen vermischen und ergänzen, stimmen versöhnlich in diesem platonhaften Vergleich.

 

The Sphere
The Sphere

“Dream, sweet baby, dream” ist eine Buntstiftzeichnung von 2014 und in ihrer ganzen Anmutung, zärtlichen Linienführung und im Ausdruck auf den ersten Blick sehr friedlich. Von organischen Formen wie selbst in einer Gebärmutter eingeschlossen schläft dort lächelnd eine Mutter mit ihrem Kind auf der Brust. Über dem Herz der Mutter, nicht am Himmel, liegen Mond und Sterne wie ein zusätzlicher Schutz. An anderen Stellen lauern eher Gefahren, Schlangen, Drachen, Unglück, aber Mutter und Kind bleiben unberührt davon, allein durch den magischen Spruch “Dream, sweet baby, dream”. So wie das Firmament im Herzen der Mutter zu finden ist, so ist es der Traum nur in Ruhe und Abgeschiedenheit, und trotzdem muss er ins Leben getragen werden, sonst war er sinnlos.

 

Kunst ist nicht zu verwechseln mit Technik, glaubt Mohamed, vielmehr folgt der Künstler seinem Herz, seiner Leidenschaft und seinem Ausdrucksdrang, und erlangt dadurch manchmal prophetische Qualitäten.

Mohameds Webseite

One thought on “Mohamed Ibrahim
Ikonograph aus Leidenschaft

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *