Cafe Melange & Dreiklang

dreiklang:
Harmonisches Revival

dreiklang ist ein Modelabel aus Thum im Erzgebirge, das 2014 von den vier Freunden Mark Teucher, Martin Jähnert, Lisa Schwalbe & Florian Eidner gegründet wurde. Kennt man die Region bisher allerhöchstens für ihre skurrile Holzkunst, könnte sie sich in Zukunft als Standort eines kleinen, feinen Textilbetriebs etablieren, der nicht nur für Nachhaltigkeit einsteht, sondern auch die lokale Tradition aufgreift. Co-Founder Martin Jähnert, Unternehmergeist, Design Thinker und realistischer Enthusiast hat auf sehr liebenswerte Weise meine Fragen beantwortet.


Region der Kreativität, des Schaffens, des Handwerks

Das Erzgebirge gilt als strukturschwache Region, die stark von Abwanderung, Schrumpfung und Arbeitslosigkeit betroffen ist. Was waren die Beweggründe, gerade hier euer Unternehmen „ernst aber lässig“ zu gründen?

Ernst Otto Lässig hat hier 1905 die Firma und Fabrik eröffnet, die wir wieder mit Leben erfüllen wollen. 50% des Teams kommen aus dem Erzgebirge, Lisa hat hier in der Fabrik ihr Praktikum gemacht. Und genau hier wollten wir auch anknüpfen an die Traditionen dieser Region der Kreativität, des Schaffens, des Handwerks.

 

dreiklang logo
Logo des Startups aus Thum/Erzgebirge

Wir haben stolze Freunde, die ihren Liebsten einen originalverpackten DDR-Dreiklang-Schlafanzug schenken konnten.

Das Label „Dreiklang“ ist den im Osten Sozialisierten kein Fremdwort – Dreiklang war die Marke für Schlafanzüge und Nachthemden in der DDR. Kennt ihr die Designs und habt ihr euch von der Ästhetik dieser Produkte inspirieren lassen?

Wir kennen die Designs und haben stolze Freunde, die ihren Liebsten einen originalverpackten DDR-Dreiklang-Schlafanzug schenken konnten. Die Ästhetik ist dabei im Moment vor allem in unsere Beutel eingeflossen, die wir aus Stoffen herstellen, die wir in der Fabrik gefunden haben. Von den Schnitten her wollen wir zeitlos bleiben – mal schauen, wann der nächste Schlafanzug kommt.

 

Mädchennachthemd Eistüten
historisches Textillogo
Mädchennachthemd Eistüte
Mädchennachthemd Eistüte aus dem VEB Thumer Wäschefabrik

Jetzt im Winter ist die große kalte Halle auch manchmal recht spukig.

Eure erste Kollektion sollte durch eine Crowdfunding-Kampagne angeschoben werden und als ich das Kampagnen-Video sah, musste ich auch ein wenig an Industrieromantik denken. Könnt ihr genauer euren Arbeitsplatz beschreiben und das originale Inventar, das ihr dort vorgefunden habt?

In der Fabrik stehen auf zwei Stockwerken Nähmaschinen. Viele davon waren kaputt, die meisten laufen inzwischen wieder. Die Fabrik gehört uns aber nicht, dafür hätte das Crowdfunding-Geld nicht ganz gereicht. Jetzt im Winter ist die große kalte Halle auch manchmal recht spukig zum Arbeiten, wir sind dort deshalb erstmal nur zu Produktionseinsätzen.

Unsere Büroarbeitsplätze haben wir derzeit Social Impact Lab Leipzig, im geschichtsträchtigen Stelzenhaus am Karl-Heine-Kanal. Dort bekommen wir neben dem Schreibtisch im Coworking Bereich auch Coaching und Vernetzung, das hilft uns sehr.

Wir machen das ja auch alle nicht hauptberuflich, sondern neben Studium und Job und die Studien und Jobs sind in unserem Fall noch nicht im Erzgebirge…

 

Das Video zur Crowdfunding Kampagne

 

Die Unterstützer eurer Kampagne haben ein T-Shirt bekommen, das die Gründerfamilie der Textilfabrik in Thum zeigt. Wisst ihr mehr über das zugrundeliegende Foto dieser Bergwanderung?

Beim Stöbern in der Fabrik haben wir viele Fotos gefunden, und wollten gern eines davon auf das erste Shirt bringen. Am Ende hat das Foto mit Familie Lässig bei der Bergwanderung gewonnen gegen ein Foto mit drei Tauben. Beide waren wahrscheinlich ähnlich alt, aber die Geschichte hinter der Bergwanderung hat uns etwas mehr überzeugt. Wir haben großen Respekt vor dem, was früher aufgebaut wurde, und der wächst auch eher noch, nachdem wir jetzt erfahren, wie viel Arbeit das alles macht. Jetzt überlassen wir das Feld für die Motive aber unseren Lieblingskünstlern und versuchen spannende limitierte Editionen zu schaffen.

 

dreiklang Zertifikat
Zertifikat mit dem Namen der Näherin Gisela
Bergwanderung Detail
Das Motiv des ersten T-Shirts im Detail.

Der Baumwollanbau wird vielleicht durch den Klimawandel noch möglich.

Eure Baumwolle ist aus Marokko, fairer Versand in Deutschland gar nicht möglich – anscheinend ist es gar nicht so leicht, ein regionales, nachhaltiges Produkt zu schaffen – welche Erfahrungen konntet ihr in den letzten 8 Monaten sammeln?

Ja, der Baumwollanbau wird vielleicht durch den Klimawandel noch möglich, wer weiß. Und auch die Nutzung bereits hier angebauter Rohstoffe ist bei uns immer in der Überlegung. Aber produkttechnisch wollten wir möglichst simpel anfangen, um von Anfang an hohe Qualität liefern zu können. Denn mit Primark werden wir auch dauerhaft keinen Wettbewerb führen.

Fairen Versand ermöglicht, was die Löhne angeht, hoffentlich bald im Ansatz der Mindestlohn. Unsere Nachfragen wurden bei allen Anbietern abgewimmelt. Da hilft es auch nicht, so klein zu sein, wie wir es eben sind.

Die gleiche Erfahrung machen wir, wenn wir Daten sammeln für die Bilanzierung unserer Shirts. Es ist nicht einfach, herauszufinden, wie viel Wasser, Abwasser und CO2 ein Shirt eigentlich “enthält”, und an welchen Produktionsschritten sich die Verbesserungspotentiale verbinden.

Abgesehen davon sind wir aber in der Regionalität der Herstellung doch schon recht weit – die Stoffe werden im Umkreis von 50 Kilometern gewebt, die Garne ebenso.

Die Stimmung im Mittel-Erzgebirge ist spürbar besser als noch vor drei Jahren. Das merken wir nicht nur an den ersten lächelnden Gesichtern bei Dorffesten.

Was ist die Vision für euer Unternehmen in den nächsten drei Jahren?

“2017 war wieder ein fantastisches Jahr mit euch, danke an 1 Mio Fans & Kunden! Ihr habt geholfen, die Fabrik zu erweitern und 50 neue Mitarbeiter einzustellen. Dank euch konnten wir dieses Jahr die CO2-Bilanz jedes Kleidungsstücks um 10% verbessern – bei Pullovern und Hemden waren es sogar 20%. Unsere ersten Wingsuits fliegen – siehe Foto. Die Stimmung im Mittel-Erzgebirge ist spürbar besser als noch vor drei Jahren. Das merken wir nicht nur an den ersten lächelnden Gesichtern bei Dorffesten, auch die Geburtsstatistiken sprechen eine deutliche Sprache. Besonders stolz macht uns dieses Jahr die erste Kooperation mit einem jungen Projekt in Chomutov, Tschechien, das ganz ähnlich tickt wie wir. Wir freuen uns auf 2018 und wünschen euch allen einen guten Rutsch ins neue Jahr. Euer dreiklang Team.”

www.dreiklangkleidung.de

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