Malerei Zuzanna Skiba

Grenzgängerin mit Luftwurzeln

Mit der feinen, geduldigen Arbeitsweise einer Kartographin haben ihre Bilder noch heute viel gemein, aber sie sind in ihrer mentalen Kartographie um einiges exakter und weitaus sinnlicher. Zuzanna Skiba, Kartographin, Künstlerin, Kuratorin, Grenzgängerin mit Luftwurzeln.

In vielen Variationen gibt es ihre Gebilde, die geordnet wirken und gleichzeitig nach mehreren Zentren streben, Skibas Gewächse aus wohlgesetzten Strichen – einmal filigran als Bleistiftzeichnung auf großformatigen Bahnen Papiers, dann wieder schemenhaft in das sonderbarste Material geritzt – Teer, der Blasen wirft und verkrustet. Als Magnetstaub wurden die Gewächse beschrieben, ihre gestrichene Ordnung hat aber auch etwas von Jahresringen oder jeglichem anderen organischen Wachstum.

Die Dialektik aus Abstoßung und Anziehung und weiterer unvereinbarer Gegensätze bilden den Kern eines Werkes, dass auf der Suche nach Verortung Wurzeln gleichzeitig scheut. Skiba hat deswegen von Anfang an – das Prinzip der Kartographie – die Welt gern von oben betrachtet und die Distanz der Vogelperspektive zum Prinzip erhoben. Der Himmel kennt keine Grenzen und Vögel passieren die roten Linien auf den Landkarten der Menschen ohne Zögern. Als Zugvögel haben sie sogar das Privileg verschiedener, gleichwertiger Heimaten und sie müssen nichts tun als dem inneren Kompass zu folgen. Skibas Arbeiten tasten nach den galizischen Vorfahren und suchen an die christliche Identität anzuknüpfen. “Die Sehnsucht, sich die Dinge wie ein Vogel zu betrachten” erfüllt sie sich auf ihren Bildern.

 

“Das verortete Verlangen” – das ist Skibas Topographie, ihre Seelenlandschaft – und eine von ihr kuratierte Ausstellungsserie auf den Spuren der Kartographie in der Kunst. Die Ausstellungen der begnadeten Künstlerkuratorin wirken intensiv und konzeptuell genau abgesteckt. Keine Kopfgeburten, sondern Vulkane – „eine Arbeit muss mich persönlich anmachen,“ sagt sie.

Mehr als topographische Modelle, mehr auch als mentale Karten sind Kartographien. Im Grunde sind es Weltbilder und Abbilder des Denkens – mit individuellen, gesellschaftlichen und natürlichen Grenzen. Insofern verstehe ich Skibas Werk als einen Ort für Freiheit, Trauer, Stärke und Leidenschaft.

http://zuzannaskiba.com/

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